Kredite – Sollzins vs effektiver Jahreszins

Thorben Wengert / pixelio.de

Thorben Wengert / pixelio.de

Haus- und Wohnungskäufe liegen aktuell auf einem Allzeithoch. Die niedrigen Kreditzinsen der Banken, Förderinstitute und Bausparkassen ermöglichen vielen Menschen, sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Die Finanzierung des Wunschobjektes ist nicht ganz einfach und man muss sich mit finanzmathematischen Dingen auseinander setzen, mit denen man womöglich noch nie zu tun hatte. Wie man einen Kredit richtig beantragt, haben wir bereits in diesem Artikel vorgestellt. Der Unterschied zwischen Sollzins und effektivem Jahreszins ist ein prominentes Beispiel und soll in diesem Artikel beleuchtet werden. Oftmals vermischen Anbieter diese beiden Werte oder werben mit dem niedrigeren der beiden.

Sollzins

Der Sollzinssatz, oft auch Nominalzins genannt, gibt den Prozentsatz an den der Schuldner der Bank jedes Jahr als Zins auf ein vergebenes Darlehen bezahlen muss. Der Nominalzins ist dabei von verschiedenen Faktoren abhängig.
Ein wichtiger Faktor ist, zu welchem Zinssatz die Bank selbst Geld leihen kann, den Banken leihen sich auch untereinander Geld oder von den Zentralbanken. In Europa ist daher der Leitzins der Europäischen Zentralbank ein wichtiger Indikator. Für die Geldleihe untereinander setzen die Banken auf EURIBOR und LIBOR, wobei der der EURIBOR im Termingeldgeschäft und für kurzfristige Kredite herangezogen wird, während der LIBOR bei Darlehen zwischen verschiedenen Banken zum Tragen kommt.
Ein weiterer Faktor sind die Opportunitätskosten des Kreditgebers. Sinngemäß wird hier geprüft, was die Bank verdienen könnte, wenn sie das Geld nicht Ihnen sondern jemand anderes gibt. Bekommt sie bei jemand anderem mehr Zinsen, wird sie entweder Ihnen das Geld nicht geben oder es Ihnen zu einem höheren Zinssatz anbieten.
Sehr genau wird das Risiko, dass Sie den Kredit nicht zurückzahlen, berechnet. Bei Haus- und Wohnungskäufen ist dieses geringer, da sich die Bank das Eigentum an dem Objekt sichert, sollte es zu einem Zahlungsausfall kommen. Bei einem Kredit für einen Urlaub, wäre das Risiko daher höher, da keine Sicherheit hinterlegt werden kann.

effektiver Jahreszins

Der Sollzinssatz bildet die Grundlage für den effektiven Jahreszinssatz. In ihm sind alle Gebühren, Kosten und Ausgaben, die mit dem Kredit in Verbindung stehen, eingerechnet. Daher liegt der Effektivzins immer über dem Nominalzins. Weichen die beiden Zinsarten sehr weit von einander ab, zeigt dies eine hohe Gebührenbelastung an.
Eingeführt wurde der effektive Jahreszins um eine Vergleichbarkeit zwischen Angeboten zu ermöglichen, da nur mit der Angabe des Nominalzinses und den separaten Gebühren ein Vergleich sehr schwer ist. Seriöse Kreditvergleiche geben daher immer den Soll- und den Effektivzins an, welche im Optimalfall sehr nah beieinander liegen.

Fazit

Die beiden wichtigsten Zinssätze für Kreditnehmer sind der Nominalzins und der effektive Jahreszins. Wer die Unterschiede versteht, kann Kreditangebote bereits grob einordnen und sich schneller den tiefergehenden Verhandlungen widmen.

0.00 avg. rating (0% score) - 0 votes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.